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Ein herrlich „verrücktes“ Japan-Filmfest Hamburg 2014

16. Juni 2014 Kommentare deaktiviert für Ein herrlich „verrücktes“ Japan-Filmfest Hamburg 2014

In einer verrückten Welt sind nur die Verrückten bei Verstand“ – Wenn man die Worte des japanischen Regisseurs Akira Kurosawa für bare Münze nimmt, war das Japan-Filmfest Hamburg 2014 geistig voll auf der Höhe. Wieder einmal erwarteten die Filmfestbesucher in zweierlei Hinsicht herrlich abgedrehte Filme und jede Menge „verrückte“ Gäste.

Ein persönlicher Rückblick auf das Filmfest von Alexander Oliver Weber.

Ken and Mary

Eröffnungsfilm 2014: Ken and Mary

Das letzte Jahr schien besonders lang. Doch schließlich hatte das Warten ein Ende, und das Japan-Filmfest Hamburg öffnete am 28. Mai 2014 seine Tore. Als Eröffnungsfilm lief im gut gefüllten Metropolis ein herrlich ausgeflipptes Feel-Good-Movie. Der Film Ken und Mary: The Asian Truck Express des Regisseurs Kenta Fukasaku wusste das Publikum gleichermaßen zu berühren und zum Lachen zu bringen. Dies führte dazu, dass jeder mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht das Kino verließ, und zu einem mehr als gelungenen Auftakt des Filmfests.

„Alles, was man braucht, um einen Film zu machen, ist ein Mädchen und ein Pistole“ – Jean-Luc Godard

Am nächsten Tag ging es dann in einigen Kinosälen ein bisschen rauer zu. „Alles, was man braucht, um einen Film zu machen, ist ein Mädchen und ein Pistole“, konstatierte schon der französische Regisseurs Jean-Luc Godard, einer der Vertreter der Nouvelle Vague. Die japanischen Regisseure, die bei diesem Filmfest vertreten waren, schienen sich diesen Ausspruch zu Herzen genommen zu haben. Allen voran Kurando Mitsutake, dem es sogar gelang, diese beiden Zutaten bereits im Titel seines Films unterzubringen. Wenn Gun Woman auch teilweise auf abstruse Weise überzeichnet war, gehörte er dennoch in die Kategorie Schocker, bei dem so einige Zuschauer zumindest zeitweise den Blick von der Leinwand abgewendet haben und verdiente zweifelsfrei das Prädikat: Nichts für zart Besaitete.

Gun Woman

Asami in Kurando Mitsutakes Schocker Gun Woman

Im Anschluss an den Film standen dann der Regisseur Kurando Mitsutake und die in einem Kimono ganz traditionell gekleidete Schauspielerin Asami den Zuschauern Rede und Antwort und zeigten so, was das Japan-Filmfest Hamburg so besonders macht: Die Möglichkeit, die Menschen hinter den Filmen persönlich kennenzulernen. Ob Asami auch abseits von Premieren einen Kimono trägt, sei an dieser Stelle einmal dahingestellt.

Auch die leisen Töne klingen nach

Auch die Liebhaber von ruhigeren Filmen kamen natürlich voll auf ihre Kosten. So erzählten z. B. die drei Regisseure Chihiro Amano, Ai Nagura und Akiko Ooku in ihrem Episodenfilm Teenage Lost eine in wunderschöne Bilder getauchte Geschichte über eine im Schließen begriffene Schule und den Alltag ihrer Schüler.

Schoolgirl Complex

Schoolgirl Complex von Yuichi Onuma

Das Thema Schule bzw. Erwachsenwerden griff auch Yuichi Onuma in seinem Film Schoolgirl Complex auf. Onuma zeichnete eine herzzerreißende Geschichte von heranwachsenden Mädchen, die ihre Sexualität entdecken und zum ersten Mal in ihrem Leben mit den Unwägbarkeiten der Liebe konfrontiert werden.

„Screaming Mad George mag nicht jedermanns Sache sein, aber sein Können muss wohl jeder anerkennen.“ – Kultursenatorin Prof. Barbara Kisseler

Am Wochenende wartete das Japan-Filmfest Hamburg dann mit einem vielfältigen Rahmenprogramm auf. Neben einem Filmfrühstück mit Reisbällchen, Tsukemono und Miso-Suppe und mehreren Workshops – von Manga- und Origamiworkshops bis hin zu einem Onigiri-Kochkurs – erwartete die Festivalbesucher ein Highlight der ganz besonderen Art: die Ausstellung von Screaming Mad George in der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW). Und natürlich war auch Screaming Mad George persönlich zugegen.

Screaming Mad George in Hamburg (JFFH 2014)

Screaming Mad George in Hamburg auf dem JFFH 2014 – Foto: Maximilian Albrecht

Screaming Mad George ist ein Special-Effekt- bzw. Makeup-Artist, der u. a. bei Filmen wie Spaceballs, Predator und Poltergeist II mitwirkte, um nur Einige zu nennen. Es war erstaunlich zu erfahren, in wie vielen Filmen er seine Finger drinnen hatte, ohne dass man sich dessen bewusst war. Auf dem Filmfest verzückte er die Festivalbesucher allerdings nicht nur mit seinen Plastiken, Masken und Bildern, sondern auch mit seinem geradezu ansteckend fröhlichen Charakter. Geduldig und mit viel Freude beantwortete er die Fragen der Besucher zu den mitgebrachten Exponaten.

Mit der Ausstellung ging dann langsam aber sicher auch das Filmfest seinem Ende entgegen. Als Fazit bleibt mir nichts anderes übrig als mich den Worten der Kultursenatorin Prof. Barbara Kisseler in ihrer Eröffnungsrede am ersten Abend des Filmfests anzuschließen: „Ich freue mich auf die nächsten 15 Jahre, hätte aber natürlich auch nichts dagegen, wenn es auch noch ein paar Jahre mehr werden würden.“

In diesem Sinne: Bis zum nächsten Mal – oder wie die Japaner sagen würden: „Mata ne!“

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